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  • Hans Lüthi

Glückwünsche - woran man oft nicht denkt




Wahres Glück findest du nur, wenn du Mut zur Katastrophe hast. (Unbekannt)



Glück wünschen - bitte gedankenvoll


Wie oft habe ich meinen Stift schon auf eine schöne Grusskarte gesetzt und jemandem Glück, Wohlergehen und Erfolg gewünscht. Eine Grussformel: Gut und ehrlich gemeint, fix geschrieben. „Viel Glück und alles Gute“. Nicht oft auch etwas gedankenlos?


Bereit für ein Gedankenspiel? Das Glück wäre ein Wesen mit Intelligenz und Macht. Und meine Glückwünsche wären eine Art Pakt oder Vertrag mit diesem Wesen, diesem Menschen, dem ich „Viel Glück und alles Gute“ wünsche, dies auch tatsächlich ins Haus zu wehen.


Obwohl es mir in dem Gedankenspiel nicht um die Frage geht, was denn Glück überhaupt ist: Hier kurz zum gegenseitigen Verständnis, was wir mit unseren Glückwünschen in der Regel meinen. Wir denken an Gesundheit, Wohlergehen und glückliche Umstände. Dass „etwas einen guten Verlauf nehmen möge“, an Gelingen, Erfolg und an Heil. Und das gehört auch tatsächlich zum vereinbarten Leistungsumfang des Glücks.


Das Glück ist allerdings schon lange im Geschäft und weiss, dass noch vieles dazu gehört, woran wir jetzt nicht unbedingt denken. Wir haben in unserem Gedankenspiel das Glück aktiviert und lassen es sein Werk tun. Das Wesen versteht sein Handwerk, ist kreativ und mächtig – wir dürfen vertrauen.


Glück wünschen: Wieviel Schmerz darf‘s denn sein


Kannst Du Dir vorstellen, dass wir unserem Glückwunschempfänger unter Umständen ganz schön viel zumuten?


Wie gesagt: Es geht nicht in erster Linie darum, was denn Glück eigentlich sei. Vielmehr beschäftigt mich die Frage, was sich im Leben eines Menschen alles ändern müsste, damit das Glück bei ihm heimisch werden kann und will. Und was diese Änderungen dieses Menschen abverlangen.


Vielleicht muss so jemand ja erst „auf die Spur gebracht werden“. Weil er z.b. durch seinen Lebensentwurf Glück eher verhindert und Leid und Trübsal begünstigt. Und jetzt soll „der Klient“ fit gemacht, „glück-tauchlich“ gemacht werden.


Glück will sich wohl fühlen – Konsequenzen?


Das Glück hat Ansprüche. Es will sich bei jemandem wohl fühlen, sonst bleibt es nicht. Es mögen „Umbauarbeiten“ nötig sein – damit sich das Glück beim „Klienten“ zu Hause fühlen kann. Glück kann nur unter bestimmten Bedingungen gedeihen. Glück setzt also auch auf Kooperation. Auf die Bereitschaft der Mitarbeit.


Da können schmerzvolle Prozesse mit verbunden sein. Glück willl und muss auch ganz verschiedene Ebenen erreichen.


Materieller Wohlstand ist z.B. eine solche Ebene. Sie bedingt eine gewisse Umsicht mit Geld.

Gesundheit ist eine Ebene. Sie wiederum bedingt einen „gesunden Lebenswandel“.

Erfreuliche Beziehungen bedingen eine entsprechende Beziehungsgestaltung und gesundes Selbstwertgefühl.

Guter Umgang mit Sinnfragen bedingt die Verbundenheit zu Etwas, was grösser ist, als wir selbst.


Das Glück jagt Dich aus dem Sessel mit dem Fleischmagneten. "Auf, beweg Dich!“, "Lerne!“, "Ändere!“, "Denk um!", "Transformiere" usw. Glück fordert heraus…



Glück als Massschneider


Und das Glück ist auch ein Massschneider. Es kennt seine Kunden genau, bis in die tiefsten Tiefen der Seele. Will in der Regel das Beste. Will uns dort hinbringen, wo wir wirklich zu Hause sind.


Es wusste, dass Mozart nicht in eine Werkstatt, sondern an ein Klavier gehört. Ronaldo braucht den Fussball. Reinhold Messmer Kletterschuhe.


Will sagen: Es will uns auch den Weg zu unserer Bestimmung weisen. Es versucht uns auch hier auf die Spur zu bringen. Weil Glück eben auch viel damit zu tun hat, seine bedeutsamsten Talente zur Blüte zu bringen. Und das erst noch auf dem richtigen Parkett.


Was soll das Glück tun, wenn wir uns da querstellen? Es gibt eben nicht gleich auf. Gehen müssen wir natürlich selber. Das Glück bemüht sich um die Impulse, die wir zum Gehen brauchen. Stellt sich in den Weg, wenn wir fehl gehen, stellt Wegweiser, Hinweisschilder. Schlägt uns manchmal auch zu Boden, wenn wir auf einem „falschen Weg“ stur bleiben.


Das Glück steht mit der Liebe im Bund – und es mischt sich in unser Leben ein.


Das hat seinen Preis! Es ist mit Kosten und Schmerzen verbunden. Mit Lernprozessen. Das Glück setzt manchmal Hammer und Meissel an. Es kann sein, dass wir Verluste erleiden, dass wir Krankheit erfahren, „Pech haben“, Misserfolge erleiden usw. Kaum vorstellbar, dass da was liebevolles am Werk ist… Und doch ist es genau das.



Glück wünschen – mit Kostenbeteiligung


Um bei unserem Gedankenspiel zu bleiben: Das Glück macht seinen Job, spannt die Liebe ein. Sucht unsere Kooperation, damit wir „auf Spur kommen und bleiben“. Das fordert uns heraus.


Das sind Dinge, die mir oft durch den Kopf gehen, wenn ich meinen Stift ansetze, um jemanden „Glück und alles Gute“ zu wünschen. Was könnte das für den Empfänger mit sich bringen? Was mute ich ihm damit zu? Wird er die Arbeit der Liebe erkennen, auch wenn es weh tut? Wird er dem Glück eine Chance geben? Wird das Glück einen Menschen finden, der sich „glücks-tauglich“ machen lässt und die Arbeit, Umgestaltung, Veränderung, Neuorientierung und das Umdenken, was immer auch nötig ist, auf sich nimmt?


Ja, ich denke, der Weg zum Glück geht manchmal durch ganz schön tiefe Täler. Das kann mit viel Schmerz verbunden sein. Das geht mir oft durch den Kopf, wenn ich jemandem Glück wünsche. Vielleicht sollte ich jemandem eher wünschen, dass er das Glück erkennt, wenn es anklopft? Scheinbare Widerwärtigkeiten als Impulse auf dem Weg zum seinem Glück zu sehen? Ja zum Leben zu sagen – auch wenn es manchmal sehr weh tut? Kraft aufzubringen, wenn man mittendrin steckt und nicht mehr weiter zu Können glaubt? Die richtige Begegnung zu wünschen, die über diesen Moment hinaus hilft?


Und erkenne ich meinem Part in der Geschichte? Bin ich aufmerksam genug, um jemanden, der des Glückes willen gerade „Unglück“ erleidet, nach meinem Vermögen zu unterstützen und auf diese Weise dem Glück zur Hand zu gehen?


Glückwünsche verpflichten ...

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